Megaschoeneweide | Alt-Böhmische Bäckerei
Wir schreiben über alles, was wir in Schöneweide lieben. Über das kreative Leben, das sich überall Bahn bricht, über Randberliner Alltag und Tradition, über Zauber und Schönheit, die Coolness und Schrulligkeit – denn darüber liest man viel zu wenig.
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Alt-Böhmische Bäckerei

Schon wieder eine kulinarische Entdeckung in Schöneweide

 

„Alt-Böhmische Bäckerei“ – dieser Straßenaufsteller begegnete mir auf der Schnellerstraße 22 ganz nah am S-Bahnhof. Ich war erst einmal in Tschechien und das vor Jahren und kann mir eigentlich überhaupt nicht vorstellen, was dort so gebacken wird. Trotzdem steigen sofort Bilder vor meinem inneren Auge auf: Von der Karlsbrücke im Nebel, von regennassem Kopfsteinpflaster und flackernden Gaslaternen. Von Kaffeehäusern mit tiefen Sesseln und schummrigem Licht, wo man Heißgetränke mit Sahnehaube und süße Köstlichkeiten serviert bekommt. Die schmecken nach Heimat, auch wenn es gar nicht meine Heimat ist. Genau das Richtige für einen nassgrauen Novembertag. Sehnsüchtig biege ich auf den kleinen Platz ein, wo das Schild hinzeigt.

Die aufgeräumte Coffeeshop Atmosphäre der Bäckerei passt erst einmal nicht zu meinen Träumereien. Aber der weiche Akzent der Verkäuferin bringt mich sofort wieder in meine nostalgische Urlaubsstimmung. In der Auslage sehe ich tatsächlich viele Gebäcke, die ich noch nie gesehen oder gehört habe; Brötchen, Brote, Hörnchen, Buchteln, Küchlein, Pfannkuchen – aber alles irgendwie anders als sonst.

Die Alt-Böhmische Bäckerei in Niederschöneweide – übrigens die einzige tschechische Bäckerei in ganz Berlin – gebe es seit etwa einem halben Jahr und ja, es laufe gut. Vorher hatte das Team auf Märkten in ganz Berlin ausprobiert, wie die tschechischen Leckereien ankommen. Und sie kamen an. Bei neugierigen BerlinerInnen, jungen Tschechen die in Berlin leben und bei Sudetendeutschen, die sich hier ein Stück Geschmack aus der alten Heimat kaufen. Auf Niederschöneweide kamen sie dann, weil der Chef der Bäckerei, Herr Petrovic, auch das Check In Hotel auf der Michael-Brückner-Straße 1A betreibt. Das liegt direkt auf der anderen Seite des kleinen Platzes, wo auch die Bäckerei ist, und Herr Petrovic benötigt sowieso täglich frische Backwahren für seine Frühstücksgäste.

Nach ihren Lieblingsteilchen aus der Bäckerei befragt, zeigen beide sofort auf eine Art krawattenförmigen kleinen Butterkuchen, über und über mit Puderzucker bestäubt, in den Geschmacksrichtungen Nuss, Vanillecreme oder Apfel-Zimt, der einfach ideal zum Kaffee passe.

Außerdem seien die Kolatschen mit Quark und Aprikose, eine Art Hefeteigfladen mit Füllung, auch zu sehen auf dem Titelbild unseres Artikels, sehr lecker, weil schön saftig und nicht so süß, sagt die Bedienung. Und der Chef schwört auf die Dinkelbrötchen und das Brot mit gerösteten Zwiebeln, herzhaft und knusprig.

Eine Auswahl an tschechischen Lebensmitteln, Backmischungen und Getränken sind in der Bäckerei übrigens auch zu haben.

Ich habe mich hinterher natürlich ordentlich durch das Sortiment gefuttert und mochte ganz besonders die Buchteln mit Mohn- oder Pflaumenmusfüllung. Dazu habe ich mir einen Kaffee mit Sahnehaube gemacht und mich tief in meinen Sessel sinken lassen, während draußen der Novembernebel über die Spree zog. Es schmeckte nach Heimat und Urlaub.

Mehr Infos über die Bäckerei, ihr Sortiment und wann sie auf Märkten in Berlin vertreten sind, findet ihr auf ihrer facebookseite.

Gebacken wird übrigens jeden Tag frisch, nicht in Schöneweide, sondern in Ústí nad Labem, gleich hinter der deutschen Grenze, und wird dann frühmorgens nach Berlin gefahren. (Da der Chef keine deutsche Bäckerausbildung hat, darf er hier nicht selbst backen.)

Kennt ihr noch andere Bäckereien in Schöneweide, die noch selbst backen? Dann lasst es uns wissen, wir sind nämlich noch auf der Suche!

  

 

– Text und Fotos von Meri, die historischen Bilder entstammen dem Fotoband „Prager Alltag“ von Erich Einhorn aus dem Jahr 1958 –

2 Kommentare
  • Matze

    30. November 2017 um 14:59 Antworten

    Krass, da kommen die Lastwagen täglich aus Aussig nach Berlin, um hier die Backwaren anzuliefern? Das ist ja echt aufwändig. Mir schmecken diese Mohn-Teile übrigens sehr gut. So richtig viel Mohn, einzigartig!

    Ürigens: Es ist völlig korrekt Aussig statt Usti zu sagen, denn das ist der deutschsprachige Name der Stadt. Bei Prag sagt ja auch niemand Praha, bei Moskau niemand Moskwa und bei Lissabon keiner Lisbao. Hier unterschiedlich zu verfahren ist unsinnig. Die Tschechen drucken auf deutschsprachige Stadtführer ja auch die deutschen Namen rauf.

    • Roman

      1. Dezember 2017 um 12:39 Antworten

      Matze fahr mal nach Karlovy Vary und erhol dich ugt, bevor du hier was schreibst.

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