Megaschoeneweide | TGURD #5 Tue Gutes und rede darüber
Dem Müll die Stirn bieten. Ein Gastbeitrag von Mandy Geddert Es regnet an diesem Donnerstag. Ausgerechnet an dem Tag, an dem wir dem Müll am S-Bahnhof Schöneweide den Kampf ansagen wollen. Am Tag zuvor schien die Sonne noch ihre wärmsten herbstlichen Strahlen. Für den Tag danach reichten sie jedoch nicht mehr. Wer wären wir aber, wenn wir uns davon beeindrucken ließen?
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TGURD #5 Tue Gutes und rede darüber

Dem Müll die Stirn bieten.

Ein Gastbeitrag von Mandy Geddert

 

Es regnet an diesem Donnerstag. Ausgerechnet an dem Tag, an dem wir dem Müll am S-Bahnhof Schöneweide den Kampf ansagen wollen. Am Tag zuvor schien die Sonne noch ihre wärmsten herbstlichen Strahlen. Für den Tag danach reichten sie jedoch nicht mehr.

Wer wären wir aber, wenn wir uns davon beeindrucken ließen?

Treffpunkt Bahnhofsausgang Johannisthal 10 Uhr

 

„Wartet Ihr auf Lars?“, rufe ich Rad fahrend den beiden bemützten Menschen, die neben sich Besen, Zangen und Handschuhe zu liegen haben, zu. Sie nicken. Ich stelle mein Rad ab, und mich kurz vor.

Bianca und Thorsten warten noch nicht lange. Es ist kurz vor Zehn. Der feine Nieselregen stört sie nicht. Sie grinsen und freuen sich auf unsere gemeinsame Putzaktion. Ihre Zeit ist knapp bemessen, weswegen sie auch schnell beginnen wollen.

Bianca reicht mir eine orangefarbene Warnweste auf dessen Rückenteil in weißen Buchstaben „Kehrenbürger“ steht. Ich mag die Wortakrobatik der BSR und ziehe mir das schnieke Ärmellose direkt über. Jetzt rücken Stephan und Sascha an. Beide sind dem Aufruf Lars‘ gefolgt. Bis auf Bianca und Thorsten, kennt sich niemand in der Runde. Gemeinsam begutachten wir die Hilfsmittel, die uns die BSR zur Verfügung gestellt hat.

Sehr löblich.

Nun ist Lars auch angekommen. Er trägt Müllbeutel, Arbeitshandschuhe und Zangen mit sich. „Ich war noch kurz im Baummarkt.“, so seine Begrüßung. Als er sieht, dass wir bereits mit allem Chichi versorgt sind, dreht er um, und bringt das kurz zuvor erstandene Gut zurück ins Auto.

Wer ist eigentlich verantwortlich?

Das ist die mich seit langem quälende Frage. Gerade am hinteren Teil des S-Bahnhofs sieht es besonders katastrophal aus. Verantwortung tragen eigentlich die Banausen, die ihren Müll achtlos ins Grüne werfen. Diese lassen sich allerdings nicht mehr ausfindig machen. Dass sich der Eigentümer des schmalen Weges, zwischen S-Bahneingang und Staßenbahnschienen, aber so schwer ermitteln lässt, ist mir schleierhaft.

Lars recherchierte bereits. Erfolglos.

6+1

Mehr Leute werden wir anscheinend nicht. Es ist bereits viertel nach zehn, als 6 Putzteufel, bewaffnet mit Handschuhpaaren, Zangen und Müllbeuteln in verschiedene Richtungen ausströmen.

Ich muss nochmal zurück zum Ausgangspunkt. Da steht ein Mann in grünem Parker und schaut erwartungsvoll. „Magst Du uns helfen?“, frage ich ihn. „Ich warte auf Lars. Hallo, Stefan Bartylla, Berliner Abendblatt.“ Ich begleite Herrn Bartylla zu Lars. Auf dem Weg erzähle ich ihm von dieser Aktion und vergangenen, den Beweggründen und erhofften Zielen. Stefan Bartylla findet das spannend und hilft direkt mit.

 

Teppiche, KFZ-Teile, Hygieneartikel, Leergut

Denkst Du bei herumliegendem Müll in Bahnhofsnähe an Kippen, Flaschen, Kronkorken und entwerteten Fahrscheinen, irrst Du gewaltig. Auf geknackte Fahrradschlösser wäre ich auch noch gekommen, auf ganze mit Hausmüll gefüllte Säcke und Radkappen allerdings nicht. Die Krönung war für mich eine benutzte Spritze. Jeder hat schon davon gehört. Klar. Aber auch schon gefunden? Kaum auszudenken, wenn sie in kleine, unschuldige Hände gelangt wäre.

Nach 45 Minuten konzentrierter Sammlerleidenschaft, waren bereits drei 120l Säcke gefüllt.

Mama, was machen die da?

Am Bahnhof ist auch gegen Mittag viel los. Passanten strömen an uns vorbei. Einige von ihnen mit verkniffenen Gesichtern. Vielleicht liegt das am Nieselregen. Andere lächeln uns an, halten die Daumen hoch oder wertschätzen uns mit lobenden Worten. Ein Papa erklärt seinem Kind, dass wir den Dreck anderer wegräumen. „Warum?“, fragt das Kind. „Weil die Menschen, die ihn fallen ließen, es nicht schafften, ihn in die umstehenden Mülleimer zu entsorgen.“ Das Kind nickt und lässt sich weiter Richtung Bahnhof im Buggy schieben.

 

 

2/10

Das Fahrzeug der BSR steht um 12 Uhr zur Abholung unserer gesammelten Werke bereit. Sie sind beeindruckt von der beachtlichen Menge. 10 Säcke in 2 Stunden, scheint eine Leistung zu sein. Ich frage einen der orangegekleideten Männer, wem das Stück Land gehöre. „Der Eigentümer des Wegs zum Bahnhofseingang ist die DB AG.“ Da ist er sich ganz sicher. „Das sieht hier immer so aus.“, meint er. Ein anderer sagt: „Am schlimmsten sind die Obdachlosen. Die sind einfach nicht bereit ihren Müll anständig wegzuräumen.“ Ich klugscheiße: „Vielleicht konfrontiert man sie mal direkt damit und fordert sie dazu auf.“ Der Mann im schönsten Orange lacht: „Ich habe ihnen schon Müllsäcke hinterlassen und sie gebeten, die gefüllten für die tägliche Abholung stehenzulassen. Nichts passiert. Keine Ahnung, was die mit den Säcken gemacht haben.“

Er hilft mir noch den schweren Sack mit den KFZ-Teilen ins Fahrzeug zu schaffen.

Geschafft

Es nieselt nicht mehr als wir uns zufrieden in ein Café setzen. Der rasende Reporter ist schon längst bei seinem nächsten Termin. Thorsten hat sich auch verabschiedet. Er muss zur Arbeit.

Wir fünf genießen jeder ein Tässchen braunen Golds und unterhalten uns über dies und das.

Stephan ist aus Spandau angereist, um zu helfen. Als ehemaliger waschechter Schöneweider fühlt er sich noch immer verbunden und liebt seine alte Heimat.

Sascha sagt: „Es hilft, wenn man sich engagiert.“ Zum einen helfe es der Gesellschaft, zum anderen hat es Vorbildwirkung. „Ich bin von Geburt an gehandicapt und unterstütze trotzdem wo ich kann.“

Unsere nächsten Aktionen „Tue Gutes und rede darüber“ finden im Dezember statt. Am 20.12. werden wir einen Tag lang in einem Pflegeheim unterstützen. Der 22.12. ist den Kindern gewidmet. Dazu später mehr.

Wenn Lars und ich auch mal zu Euch kommen sollen oder ihr eine Idee habt, wo unsere Hilfe gebraucht wird, meldet Euch gern unter hilfe@charle-berlin.de.

Gastbeteitrag von Mandy Geddert

Inhaberin des mega tollen Kindermodelabel Charle in OSW und ganz neben: coolste Frau in Schöneweide.

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