Wir schreiben über alles, was wir in Schöneweide lieben. Über das kreative Leben, das sich überall Bahn bricht, über Randberliner Alltag und Tradition, über Zauber und Schönheit, die Coolness und Schrulligkeit – denn darüber liest man viel zu wenig.
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Mehr als ein Fahrradladen

„Cikakobude“ in der Schnellerstraße ist Fahrradleidenschaft pur.

 

Die großen Ladenschaufenster kommen daher wie eine Galerie für Kuriosa rund ums Rad. Historische Trikos, Wettergegerbte Satteltaschen, antiquarische Bücher und Plakate. Dahinter verbirgt sich solides Handwerk – ein Fahrradladen, der mehr kann. Viel mehr.

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Gastbeitrag von MATROSENHUNDE: Über Arbeit #2

Gedanken zur Arbeit

Morgens um halb neun ist Rushour in den öffentlichen Verkehrsmitteln, so nennt man den Umstand, dass zur gleichen Zeit viele Menschen nach heimlicher Übereinkunft ihr Zuhause verlassen, um an ihren Arbeitsplatz zu fahren. Den Ort, an dem sie für viele Stunden sitzen und aus einer unlustigen ironischen Tasse Beutelfrüchtetee trinken, um anschließend wieder zur abendlichen Rushour nach Hause zu fahren, ein Zeitüberbrückungsbuch unter den Arm geklemmt.

 

 

 

Manche verlassen den Ort, an dem Tisch und Bett stehen auch antizyklisch, arbeiten nachts oder im Schichtdienst oder werden zu Notfällen gerufen.

Das nennt man dann Stand-by. Das kleine Lämpchen leuchtet, das Gerät verbraucht zuviel Strom; in Wochenmagazinen gibt es Artikel über Manager-Burnout und Herzkranzgefäßverengung bei übermäßig sitzender Tätigkeit. Abends kann man sich zum Feierabendbier versammeln. Feierabend ist keine Party, Feierabend ist nach Büroschluss. Man kann schnell noch was einkaufen, seine Kinder wiedersehen, mal zum Ausgleich ein wenig Sport treiben, ein Date haben oder Serien gucken. Oder man bleibt einfach dort, wo gearbeitet wird. Sammelt Fleißpunkte, beeindruckt den Chef, fühlt sich besser und nützlicher und wie jemand, der zu tun hat, der die Welt jeden Tag ein bisschen rettet und seine Seele dazu. Andere bleiben im Büro, wobei das meist Agentur heißt, spielen ein bisschen Tischtennis, trinken Cola aus regionalem Vertrieb und drehen ein Video, das dann ins Internet gestellt wird, wo alle sehen können, dass es super ist auf Arbeit, es macht Spaß und Kreativsein kennt keinen Stundenplan. Die Kollegen möchte man am liebsten heiraten, man schenkt ihnen seltene Süßigkeiten und betont, dass die Grenzen fließend sind, dass man seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat, Feierabend gibts da nicht, ist für Anfänger und Gartenzwergliebhaber.

 

 

 

Manche, die sieht man überhaupt nicht bei der Arbeit, das heißt dann »unter Tage« oder Hartz 4.

Nicht bei der Arbeit gesehen zu werden kann sehr gefährlich sein. Daher empfiehlt es sich, zumindest immer so zu tun, als ob man arbeiten würde. In Kurzgeschichten, die im Deutschunterricht gelesen werden gibt es dann diesen Familienvater, der täglich morgens das Haus verlässt, nichts in seiner Aktentasche als einen alten Zeitungsartikel, einen Apfel und ein Butterbrot. Der geht dann ins Museum, um das Gefühl von Information und Zeitbegrenztheit zu erleben, das er hatte, wenn er früher Aktennotzien vermerkte und um 18h den Rechner ausmachte. Jetzt wartet er, bis eine freundliche Ansage die Museumsbesucher zum Gehen auffordert, nicht ohne ihnen zu versichern, dass es schön war mit ihnen und sie gerne wiederkommen dürfen. Das macht der Mann aus der Kurzgeschichte dann auch, am nächsten Tag. Er schämt sich, er fühlt sich entmannt und seiner Familie unwürdig, ein Versager. Um nicht ständig daran erinnert zu werden vertieft er sich in die Keilschrift der Etrusker und studiert Baupläne des Otto-Motors. Seine Kinder finden es super, dass er soviel weiß.

 

 

Wenn man noch sehr jung ist, dann kann man viel ausprobieren.

Das soll man auch, damit man rechtzeitig herausfindet, was man denn so will, eigentlich. Denn um das Eigentliche geht es ja immer. »Mal so« geht eine Weile, aber dann muss man sich schon festlegen. Das Leben ist kein Ponyhof und kein Wunschkonzert und wer nicht früh gelernt hat, sich selbst zu definieren, ist ein Lebenskünstler. Und Künstler, die sind einem ja doch ein bisschen suspekt. Wer nichts wird, wird Wirt, sagen die Leute. Digitale Bohème, rufen die anderen und beklatschen die neue Selbstständigkeit und die Freiheit der Kreativität. Rumsitzen und Denken ist keine Arbeit, munkelt manch protestantisch erzogener Bürger. Mach dich nützlich. Ist man jung, hat man noch Schonzeit, Welpenschutz. Aber nicht ewig, da muss ja mal was vorangehen. Wo ist Vorne? Alles kann, nichts muss. Wie geht arbeiten? Ist das Putzen der eigenen Wohung Freizeitmühsal?

Blumen wollen wir nicht, sagen die Philister dem fidelspielenden Taugenichts, keine Blumen, keine Vagabunden, mach mal was Richtiges und von Blumen wird keiner satt.

 

 

Man kann auch mal einen Fehler machen, es ist wichtig, dass du das findest, was zu dir passt.

Aber bitteschön rechtzeitig, sobald die kindliche Naivität aus deinem Blick verschwindet, gerätst du in Generalverdacht, wenn du noch immer keinen Plan hast. Berufsjugendlich heißt das. Zur Jugend berufen? Oder von Beruf jugendlich?

Sei kein Schmarotzer. Trag was bei. Gib von dir! Was hat Geld mit meinem Tun gemein? Man kann seinen Körper spenden, nach seinem Ableben, oder auch schon vorher, Nieren kann man spenden oder Blut, Samen oder Eizellen, auch Haut und Haare. Man kann seinen Körper verkaufen, das heißt meistens Sexarbeit, im Gegensatz zur Sexfreizeit.

 

 

Was willst du mit deinem Leben machen? Willst du es verkaufen, verschenken, beenden?

Willst du sinnvolle Dinge tun, Nützlichkeiten produzieren? Viel mit Werkzeugen hantieren, dabei täglich den evolutionären Fortschritt bewundern, die Winkelhaltung des Daumens an der menschlichen Hand? Du musst dich entscheiden, festlegen, töte die Möglichkeiten und widme dich. Sei ambitioniert. Habe Ziele und Träume. Sei kein Langschläfer und Däumchendreher. Nicht genügsam. Nicht zu ehrgeizig, es wirkt verbissen, es soll ja nicht verbissen wirken sondern kraftvoll. Powerful. Du musst es nur wirklich wollen.

Im klugen Kino werden ausgesuchte Retrospektiven gezeigt, man spricht von »Werkschau«. Man kann also jemandes Werk besehen, drehen und wenden und begutachten.

 

 

Ein international bekannter Maler verkauft eine Arbeit und erhält einen sechsstelligen Betrag dafür.

Er verkauft ein Produkt, eine Ware, sie heißt nicht Werk, sondern Arbeit. Vielleicht hat er ein Stückchen Arbeitskraft und Zeit und Blut darin versteckt, die Seele des Prozesses mitverkauft? Die Arbeit, die soll auf keinen Fall nützlich sein. Sie ist frei. Sie ist Kunst. Kunstarbeit. Nicht zu verwechseln mit Kunsthandwerk. Das sind nicht ernst gemeinte Dekorationsgegenstände auf Jahrmärkten oder blaulasierte Tonschalen, von Gattinnen in der Toskana gefertigt. Das hat keine Bedeutung. Es ist ein Hobby. Wie das Heimwerken und die Spielzeugeisenbahn. Das Hobby ist im Keller, das braucht keine Fans.

Heute trage ich die kurze Hose, sagt der Arbeitslose. Heute hab ich Urlaub.

 

 

 

 

Lese-Empfehlung

»Der Dienst« von Angela Krauß, Suhrkamp 2016:

»Ich sehe in eine Flucht von Industrieschornsteinen und Kabelmasten hinein; sie stehen so dicht, das Netz aus Leitungen zwischen ihnen ist straff gespannt, an nebligen Tagen ist es kaum zu erkennen. Dann dehnt sich draußen eine riesige Fläche, ein immer blasser werdender Gestängewald bis ins Unendliche.
Wer weiß, wie lange ich schon hier bin?«

Zwischen Schein und Sein

MODEGRAFIK IN DER DDR

1960 – 1989

 

Die neue Ausstellung in den Reinbeckhallen.

In bester, fachkundiger Begleitung hatte ich das Vergnügen die Eröffnung der neuen Ausstellung in den Reinbeckhallen zu besuchen, die fulminant von der Kuratorin Ute Lindner mit einer Modenschau eröffnet wurde.

Die Ausstellung „Zwischen Schein und Sein“ in den Reinbeckhallen beleuchtet die Entwicklung der Modegrafik in der DDR in den drei Jahrzehnten von 1960 bis 1989 anhand von Originalgrafiken.

Mit ausgesuchten Skizzen, Zeichnungen und Grafiken wird erstmalig – und mit einem Abstand von 30 Jahren – die Modegrafik der DDR und damit auch vor allem die ca. 25 Modedesigner*innen, deren Werke hier gezeigt werden, gewürdigt. Bemerkenswert sind zudem die gezeigten aufschlussreichen Parallelen zur ostdeutschen Modefotografie.

Für alle, die die Modenschau verpasst haben: Es gibt drei weitere begleitende Veranstaltungen zu der Ausstellung. Mehr dazu in unserem Beitrag.READ MORE

TGURD #6 – Tue Gutes und rede darüber

Gastbeitrag von Mandy Geddert.

Ein Tag im Seniorenzentrum Sankt Konrad

Aufstehen, bevor der Wecker klingelt

An diesem Tag um 6 Uhr aufzustehen, fällt mir besonders schwer. Normalerweise stehe ich an Donnerstagen erst um 8 Uhr auf. An diesem klaren und kalten Morgen ist es mir aber egal. Ein Praktikumstag in einem Schöneweider Seniorenheim steht auf meinem Plan. Von anderen lernen und sie für ein paar Stunden unterstützen zu dürfen, passt mir sehr gut. Um 8 Uhr bin ich mit der Pflegedienstleiterin der Tagespflege verabredet. Ich bin pünktlich.

Zum Glück. Es ist nämlich so: Seitdem ich Kinder habe, gehört diese Tugend nicht mehr zu meinen Stärken. Alle anfängliche Hoffnung, dass sich der Zustand mit Schuleintritt der Brut ändere, habe ich längst zu Grabe getragen. 10 Jahre später, also nach Abschluss der 10. Klasse der Erstgeborenen, darf man das getrost, bin ich der Meinung. Insofern ist dieser Donnerstag mein Glückstag. In vielerlei Hinsicht, wie sich noch herausstellen soll.

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Der Matrosenhunde-Jahreskalender 2019

„Auf wen kannst du dich verlassen?“

Wer unsere Postkarte (zum Mitnehmen in den verschiedenen Läden in Schöneweide) liebt, der braucht den Jahreskalender der Matrosenhunde. Fast hätte es ihn nicht gegeben: Zeit und Geld, neue und alte Kinder, Vereinbarkeitspingpong und Jobs und wenig Gestaltungsspielraum, Erschöpfung und die Unmöglichkeit der Gleichzeitigkeit. Manches passt da nicht mehr rein, manches ist dann später dran: Die kinderlosen Städtetrips in den Balkan und nach Osteuropa, die Roadtrips durch Skandinavien, die Hippie-Raves im Kiefernwald und die Wanderungen oberhalb der Baumgrenze und dazwischen auch einfach mal 3 Tage rumhängen, schlechte Filme gucken und sich am Bein kratzen.

Sie haben trotzdem Ja gesagt, die Matrosenhunde. Für euch und für uns. Den neuen Kalender könnt ihr ab jetzt bestellen.

Da wir sowieso nur gute Dinge verschenken, möchten wir Euch den Jahreskalender 2019 ans Herz legen und empfehlen wärmstens ihn in die Wohnung zu hängen oder das bei Freunden zu tun: Denn für MegaschöneweierInnen gibt es einen unschlagbaren Extra-Rabatt (Code am Ende des Beitrags).

Wenn der Dezember ausgeglitzert hat, braucht man etwas Gutes für den Januar.

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Reinbeckerei, der Weihnachtsmarkt in den Reinbeckhallen

Reinbeckerei

 

Die Reinbeckerei wird der erste Weihnachtsmarkt im Inneren der Reinbeckhallen. Umgeben vom Charme der historischen Industriehalle des ehemaligen Transformatorenwerkes in Oberschöneweide kann am 9.12.18 in weihnachtlicher Atmosphäre gebummelt, erstanden und selbst gewerkelt werden. Von Naturkosmetik über Schmuck- und Textildesign bis hin zu Holzarbeiten und Illustrationen gibt es eine Vielzahl an ausgewählten handgefertigten Unikaten zu ergattern. READ MORE

Gastbeitrag von MATROSENHUNDE: Über Arbeit #1

Schöneweide ist ein altes Arbeiterviertel, Fine Heininger die Zeichnerin von Matrosenhunde ist – wie ihr seit dem Interview wisst – hier aufgewachsen.

Nach Wiedervereinigung und Währungsunion konnten sich viele Betriebe nicht mehr halten und das Viertel war jahrelang von den Schließungen, Massenentlassungen und Privatisierungen geprägt. Heute wachsen am traditionsreichen Industriestandort neue Formen der digitalen und manuellen Arbeit.

Matrosenhunde denken an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen über neue und alte Arbeit nach. Heute eröffnen wir die Reihe »Über Arbeit« mit Vorüberlegungen, Abwägungen und einer Lese-Empfehlung:

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Das Café mit dem Smiley

„Der Mann kann Sandwich“

 

stellt meine Begleitung und Blogpartnerin glücklich fest.

Wir sitzen im neuen Café am Rathenauplatz in Oberschöneweide. Gemütlich, in zwei Sesseln versinkend, probieren wir uns durch die Karte.

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